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Warum Beat nach der Fahrplanänderung jeden Morgen früher aufsteht
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Warum Beat nach der Fahrplanänderung jeden Morgen früher aufsteht

Ein Pendler aus dem Bündner Rheintal erzählt, wie eine gestrichene Verbindung seinen Arbeitsweg verlängert hat und was sich an solchen Lücken im Fahrplan ablesen lässt.

Andrea Caviezel 5 Min. Lesezeit

Ein Morgen, der früher beginnt

Beat, 47, arbeitet als Lagerist in einem Betrieb am Stadtrand von Chur und wohnt in einem Dorf weiter oben im Tal. Vor zwei Jahren erreichte er seine Arbeitsstelle mit einer einzigen Verbindung, die kurz nach sechs Uhr abfuhr und ihn pünktlich vor Schichtbeginn absetzte. Mit dem letzten Fahrplanwechsel ist diese Verbindung verschwunden. Seither steht er eine halbe Stunde früher auf, steigt zweimal um und wartet am Umsteigebahnhof zwischen Oktober und März oft im Dunkeln auf dem zugigen Perron.

Als ich ihn an einem nasskalten Vormittag treffe, zeigt er mir auf dem Telefon die beiden Fahrpläne nebeneinander. Er hat sie selbst verglichen, Zeile für Zeile. Aus 38 Minuten Reisezeit sind 71 geworden. Er sagt es ohne Groll, eher mit der Nüchternheit eines Mannes, der sich damit abgefunden hat, weil er keine andere Wahl sieht. Genau diese stille Hinnahme ist es, die mich an seinem Fall interessiert, denn sie taucht in keiner Statistik auf.

Was hinter einer gestrichenen Verbindung steckt

Der Umweg im Detail

Beats neuer Weg führt über einen Umsteigebahnhof, an dem die Anschlusszeit knapp bemessen ist. Fährt der erste Zug auch nur wenige Minuten verspätet, verpasst er den zweiten und wartet eine weitere halbe Stunde. Im vergangenen Herbst ist das nach seiner Zählung an etwa jedem fünften Arbeitstag passiert. Seinem Vorgesetzten hat er das erklärt, der Verständnis zeigt, aber den Schichtbeginn nicht verschieben kann.

Dazu kommt der Preis. Sein Abonnement gilt weiterhin, doch die Alternative, das Auto, kostet ihn gerechnet pro Monat deutlich mehr, vom Parkplatz am Arbeitsort ganz abgesehen. Er hat es durchgerechnet und bleibt beim Zug, auch wenn es ihn Schlaf kostet. Für Menschen mit tiefem Einkommen ist das keine Frage der Bequemlichkeit, sondern des Haushaltsbudgets, und die Rechnung geht selten zugunsten der längeren Strecke auf.

Wo man nachfragen kann

Was Beats Fall über das Ganze sagt

Ein einzelner Pendler ersetzt keine Untersuchung, und ich behaupte nicht, dass seine Strecke für alle steht. Aber sein Fall zeigt, wie sich eine unscheinbare Entscheidung auf dem Papier im Alltag auswirkt: früher aufstehen, länger warten, mehr Risiko für Verspätungen. Solche Folgen werden selten erfasst, weil niemand sie zählt, ausser die Betroffenen selbst.

In den kommenden Wochen möchte ich nachvollziehen, wie viele Verbindungen im Tal in den letzten Jahren angepasst wurden und wer davon besonders betroffen war. Das ist mühsame Arbeit mit Fahrplanarchiven und Anfragen, die nicht immer rasch beantwortet werden. Wenn Sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben, schreiben Sie mir über die Kontaktseite. Ich lese alles, auch wenn ich nicht jede Zuschrift verwenden kann.

Ein Schlusswort von Beat

Zum Abschied fragt Beat, ob so etwas überhaupt jemanden interessiere. Er habe ja nicht einmal eine Panne erlebt, nur einen längeren Weg. Ich sage ihm, dass genau solche Wege den Alltag formen und dass sie leicht untergehen, gerade weil sie nicht spektakulär sind. Er nickt, zahlt seinen Kaffee und läuft zum Bahnhof, wo der nächste Anschluss in sieben Minuten fährt.

Auf dem Perron steht er dann wieder allein, die Kapuze hochgezogen, den Blick auf die Anzeigetafel gerichtet. Es ist nicht das Bild eines Betroffenen, der klagt, sondern eines Mannes, der plant und weiterfährt. Gerade das macht es schwer, die Lücke im Fahrplan als blosse Kleinigkeit abzutun, denn sie wirkt jeden Tag, leise und gleichmässig, über Monate hinweg.

Beats Geschichte ist klein und genau deshalb aufschlussreich. Eine gestrichene Frühverbindung verlängert den Weg, kostet Schlaf und erhöht das Risiko, Anschlüsse zu verpassen. Wer betroffen ist, kann Entwürfe beobachten, konkrete Eingaben machen und sich mit anderen Fahrgästen zusammentun. Ob das den Fahrplan ändert, bleibt offen, doch ohne solche Rückmeldungen erfährt niemand, was eine Streichung im Alltag auslöst.

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