Prämien, Franchise, Selbstbehalt: Was Sie im Spätherbst prüfen sollten
Warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist
In diesen Wochen trifft bei vielen Haushalten das Schreiben der Krankenkasse mit der neuen Prämie fürs kommende Jahr ein. Der Umschlag wird oft rasch geöffnet, der Betrag zur Kenntnis genommen und das Papier abgelegt. Dabei lohnt sich ein genauerer Blick, denn Franchise, Modell und Unfalldeckung lassen sich nur innerhalb enger Fristen anpassen.
Ich schreibe diesen Beitrag als zweiten Teil meiner Reihe zu den Gesundheitskosten. Im ersten Teil ging es um das praktische Vorgehen bei der Rechnungskontrolle. Hier steht die Jahreszeit im Mittelpunkt: Was ist im Herbst sinnvoll zu überprüfen, bevor das Jahr sich dem Ende neigt und Entscheidungen nicht mehr rückgängig zu machen sind?
Eine Empfehlung für eine bestimmte Franchise gebe ich nicht ab. Die richtige Wahl hängt von Ihrer Gesundheit, Ihren Reserven und Ihrer Situation ab. Ich zeige stattdessen, welche Überlegungen sich lohnen und welche Zahlen Sie dafür zusammentragen können.
Die bisherigen Kosten des Jahres zusammenstellen
Der erste Schritt ist nüchtern: Sammeln Sie, was Sie in diesem Jahr tatsächlich bezahlt haben. Dazu gehören Arztrechnungen, Medikamente, Therapien und die Selbstbehalte, die Ihnen die Kasse in Rechnung gestellt hat. Die meisten Versicherer führen diese Angaben in den Abrechnungen oder im Kundenportal, andernfalls hilft ein Ordner mit den Belegen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem, was Sie bis zur Franchise selbst tragen, und dem Selbstbehalt von zehn Prozent darüber, der bis zu einem gesetzlichen Höchstbetrag anfällt. Wer nur die Franchise im Kopf hat, unterschätzt die Summe, die im Krankheitsfall zusammenkommen kann.
Notieren Sie auch Behandlungen, die Sie für das nächste Jahr bereits absehen, etwa Kontrolltermine oder eine geplante Zahnbehandlung, die nicht über die Grundversicherung läuft. So entsteht eine Grundlage, die ehrlicher ist als die Hoffnung, es werde schon ein gesundes Jahr.
- Rechnungen und Abrechnungen des laufenden Jahres sammeln
- Franchise und Selbstbehalt getrennt aufführen
- Absehbare Behandlungen im neuen Jahr notieren
Franchise und Prämie gegeneinander abwägen
Eine höhere Franchise senkt die Prämie, verlagert aber das Risiko auf Sie. Rechnen Sie darum nicht nur mit der Ersparnis, sondern auch mit dem ungünstigsten Fall: Könnten Sie die volle Franchise samt Selbstbehalt im selben Jahr bezahlen, ohne in Not zu geraten? Wenn die Antwort unsicher ist, verschiebt sich die Rechnung.
Beobachtet wird oft, dass Menschen mit tiefer Franchise mehr zahlen, als sie je beanspruchen, während andere mit hoher Franchise notwendige Arztbesuche aufschieben, um die Kosten zu meiden. Beides kann teuer werden, nur an verschiedenen Stellen: das eine über die Prämie, das andere über die Gesundheit.
Prüfen Sie ausserdem, ob die Franchise zu Ihrer Lebenslage passt. Eine Familie mit Kindern, eine chronisch erkrankte Person und ein junger Single stehen vor unterschiedlichen Abwägungen. Ein Prämienvergleich allein sagt darüber wenig aus.
Versicherungsmodell und Einschränkungen verstehen
Günstigere Prämien gibt es häufig bei Modellen, in denen Sie zuerst eine bestimmte Anlaufstelle kontaktieren oder einen festen Kreis von Ärztinnen und Ärzten nutzen. Das kann sinnvoll sein, bringt aber Pflichten mit sich. Wer sie missachtet, riskiert, dass die Kasse Leistungen kürzt.
Lesen Sie deshalb die Bedingungen Ihres Modells genau, bevor Sie wechseln oder bleiben. Fragen Sie sich: Liegt die nächste Anlaufstelle in vernünftiger Entfernung? Wie läuft es bei Notfällen und in den Ferien? Was gilt, wenn Sie umziehen? Gerade in Randregionen sind die Wege länger, und das Angebot ist kleiner.
Auch die Unfalldeckung lohnt einen Blick. Wer angestellt arbeitet, ist über den Arbeitgeber meist gegen Unfall versichert, sofern ein bestimmtes Pensum erreicht ist. Dann kann sie in der Grundversicherung ausgeschlossen werden, was die Prämie senkt. Bei Änderungen der Anstellung sollten Sie das neu prüfen.
- Pflichten des gewählten Modells nachlesen
- Wege zur Anlaufstelle und Notfallregelung klären
- Unfalldeckung bei veränderter Anstellung prüfen
Fristen und Formalitäten nicht verpassen
Für den Wechsel der Kasse oder des Modells gelten Kündigungsfristen, die Sie dem Schreiben Ihrer Versicherung und den Unterlagen entnehmen können. Planen Sie etwas Luft ein, denn eine Kündigung muss rechtzeitig und nachweisbar bei der Kasse eintreffen. Ein eingeschriebener Brief ist die sicherere Variante als ein formloses Mail.
Wer die Kasse wechselt, sollte beachten, dass für die Grundversicherung eine Aufnahmepflicht besteht, bei Zusatzversicherungen jedoch Gesundheitsfragen gestellt werden können. Kündigen Sie eine Zusatzversicherung nie, bevor die neue verbindlich zugesagt ist.
Bewahren Sie Bestätigungen und Policen auf, und prüfen Sie nach dem Wechsel, ob die neue Police wirklich so lautet, wie besprochen. Kleine Abweichungen bei Franchise oder Modell fallen sonst erst bei der ersten Abrechnung auf, wenn es zu spät ist.
Was Sie sonst noch im Blick behalten können
Neben der Prämie gibt es Kostenpunkte, die im Alltag untergehen: Kostenbeteiligung bei Spitalaufenthalten, Transport- und Rettungskosten, Behandlungen im Ausland oder Leistungen, die die Grundversicherung nicht übernimmt. Wer diese Posten kennt, vermeidet unangenehme Überraschungen.
Für einzelne Fragen können Sie sich an die Beratungsstellen Ihres Kantons wenden oder Ihre Kasse schriftlich um eine Erklärung bitten. Auch ich biete im Rahmen meiner Preise-Seite eine Durchsicht Ihrer Unterlagen an, nach schriftlicher Anfrage über die Kontaktseite.
Nehmen Sie sich für das Ganze einen ruhigen Abend und Ihre Unterlagen. Zwei oder drei gut überlegte Entscheidungen im Herbst wirken sich über das ganze Jahr aus, und sie lassen sich ohne Eile treffen, wenn man früh genug beginnt.
- Spital, Rettung und Auslandbehandlung separat prüfen
- Bei Unklarheiten schriftlich bei der Kasse nachfragen
Der Herbst ist die Zeit, in der sich Gesundheitskosten am ruhigsten ordnen lassen. Wer die Ausgaben des Jahres zusammenträgt, die Franchise ehrlich gegen die eigenen Reserven abwägt, das Modell versteht und die Fristen kennt, trifft Entscheidungen auf Grundlage von Zahlen statt von Gewohnheit. Das spart nicht in jedem Fall Geld, verhindert aber vermeidbare Überraschungen im neuen Jahr.
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