Franchise und Selbstbehalt: Wo im Gesundheitswesen Kosten unbemerkt anfallen
Warum die Prämie nur die halbe Rechnung ist
Wer im Herbst die neuen Prämien erhält, vergleicht in der Regel die monatlichen Beträge und wechselt oder bleibt. Damit ist erst ein Teil der Kosten erfasst. Die Prämie ist der fixe Betrag, den Versicherte unabhängig davon zahlen, ob sie eine Ärztin aufsuchen oder nicht. Dazu kommen die Kostenbeteiligungen, die erst bei einer Behandlung anfallen und sich je nach Jahr stark unterscheiden können.
In diesem dritten Teil unserer Reihe geht es genau um diese zweite Ebene: Franchise, Selbstbehalt und den täglichen Beitrag bei einem Spitalaufenthalt. Im Gegensatz zur Prämie tauchen diese Posten nicht in einer einzigen Zahl auf, sondern verteilen sich über das Jahr auf einzelne Abrechnungen. Genau deshalb werden sie leicht unterschätzt.
Ich habe in den vergangenen Wochen mit mehreren Leserinnen und Lesern gesprochen, die ihre Unterlagen durchgegangen sind. Fast alle sagten dasselbe: Die Summe der kleinen Beträge sei am Jahresende grösser gewesen, als sie angenommen hatten. Das ist kein Fehler im System, aber ein Hinweis darauf, wie schwer sich diese Kosten im Voraus überblicken lassen.
Was die Franchise tatsächlich bedeutet
Die Franchise ist der Betrag, den Sie pro Jahr zuerst selbst bezahlen, bevor die Grundversicherung Leistungen übernimmt. Je höher Sie sie wählen, desto tiefer fällt die Prämie aus. Auf dem Papier ist das eine einfache Rechnung: Sparen Sie bei der Prämie mehr, als Sie im schlechtesten Fall zusätzlich tragen würden, lohnt sich die höhere Wahl.
In der Praxis hängt die Rechnung davon ab, wie viel Reserve Sie haben. Wer eine hohe Franchise wählt, muss bei einer unerwarteten Behandlung den vollen Betrag aufbringen können. Manche Versicherte schieben Arztbesuche deshalb hinaus, weil der Betrag ihnen schwerfällt. Dieser Aufschub kann später teurer werden, als es eine frühe Abklärung gewesen wäre.
Hinzu kommt, dass die Franchise jedes Jahr bei null beginnt. Eine Behandlung im Dezember und eine im Januar werden daher unterschiedlich belastet, obwohl sie zusammengehören. Wer weiss, dass ein geplanter Eingriff ansteht, sollte den Zeitpunkt deshalb auch unter diesem Gesichtspunkt mit der Ärztin besprechen.
- Franchise gilt pro Kalenderjahr und beginnt jeweils neu
- Hohe Franchise senkt die Prämie, erhöht aber das Risiko
- Reserve für den vollen Betrag sollte vorhanden sein
Selbstbehalt: der Posten nach der Franchise
Ist die Franchise aufgebraucht, übernimmt die Versicherung nicht alles. Auf den verbleibenden Betrag fällt ein Selbstbehalt an, der einen Teil der Kosten bei den Versicherten belässt, bis eine jährliche Obergrenze erreicht ist. Diese Obergrenze ist für Erwachsene und Kinder unterschiedlich geregelt, wie das Gesetz es vorsieht.
Viele wissen von der Franchise, aber der Selbstbehalt gerät aus dem Blick. Er erscheint auf der Abrechnung als eigene Zeile und wird oft überlesen. Wer mehrere Behandlungen im Jahr hat, etwa bei einer chronischen Erkrankung, erreicht die Obergrenze häufig, und dann gehört sie fest in die Jahresplanung.
Für Familien kommt hinzu, dass jede Person ihre eigene Franchise und ihren eigenen Selbstbehalt hat. Bei mehreren Kindern summiert sich das schneller, als ein Blick auf die Prämie vermuten lässt. Ein Gespräch am Küchentisch über die Wahl der Franchise je Person lohnt sich deshalb jedes Jahr neu.
Der Beitrag bei Spitalaufenthalt und weitere kleine Posten
Bei einem stationären Aufenthalt fällt zusätzlich ein täglicher Beitrag an Verpflegung und Unterkunft an. Er ist pro Tag festgelegt und fällt auch an, wenn die Behandlung selbst von der Versicherung getragen wird. Bei einem längeren Aufenthalt kommt so rasch ein spürbarer Betrag zusammen, mit dem viele nicht gerechnet haben.
Daneben gibt es Posten, die gar nicht von der Grundversicherung gedeckt sind: bestimmte Zahnbehandlungen, einzelne Hilfsmittel, nicht kassenpflichtige Medikamente oder Transporte in manchen Fällen. Wer eine Rechnung erhält, sollte nachfragen, ob und wie viel davon über die Versicherung läuft.
Auch Zusatzversicherungen schaffen eigene Kostenbeteiligungen. Wer sie abgeschlossen hat, tut gut daran, die Bedingungen und den dort vereinbarten Selbstbehalt gesondert zu prüfen, denn sie folgen nicht denselben Regeln wie die Grundversicherung.
- Täglicher Beitrag bei stationärem Aufenthalt
- Nicht gedeckte Leistungen separat prüfen
- Zusatzversicherung mit eigenem Selbstbehalt
Die Abrechnung lesen lernen
Eine Abrechnung der Krankenkasse wirkt auf den ersten Blick undurchsichtig. Sie lohnt aber den Blick, weil sie zeigt, welcher Betrag auf die Franchise angerechnet wurde, was der Selbstbehalt ausmacht und was die Versicherung übernommen hat. Wer diese Zeilen versteht, erkennt Unstimmigkeiten früher.
Ich empfehle, Abrechnungen nicht nur abzulegen, sondern einmal im Quartal kurz durchzusehen und die Summe der bereits bezahlten Beteiligungen zu notieren. So wissen Sie im Herbst, wie weit Sie mit der Franchise sind, und können die Wahl für das nächste Jahr auf Zahlen statt auf ein Gefühl stützen.
Stimmt etwas nicht, etwa bei einer doppelten Verrechnung oder einer unklaren Position, ist die erste Anlaufstelle die Leistungserbringerin oder die Kasse selbst. Bleiben Fragen offen, kann ein schriftliches Nachfragen Klarheit schaffen. Bewahren Sie dafür die Belege auf, auch wenn der Betrag klein erscheint.
Was sich daraus für die Wahl im Herbst ableiten lässt
Aus den bisherigen Überlegungen folgt kein einfaches Rezept, wohl aber eine Haltung: Rechnen Sie mit dem ganzen Jahr und nicht nur mit der Prämie. Schauen Sie, wie viel Sie im laufenden Jahr tatsächlich ausgegeben haben, und überlegen Sie, ob im nächsten Jahr Behandlungen anstehen.
Wer gesund ist und eine Reserve hat, fährt mit einer höheren Franchise oft gut. Wer regelmässig Behandlungen braucht oder keine Reserve hat, ist mit einer tieferen Franchise sicherer unterwegs, auch wenn die Prämie höher ausfällt. Beides ist legitim, entscheidend ist, dass die Wahl bewusst getroffen wird.
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- Laufendes Jahr auswerten, nicht nur Prämie vergleichen
- Reserve und erwartete Behandlungen einbeziehen
Die Prämie ist sichtbar, die Kostenbeteiligungen sind es kaum. Franchise, Selbstbehalt und Spitalbeitrag verteilen sich über das Jahr und werden deshalb leicht unterschätzt. Wer seine Abrechnungen liest, die bezahlten Beträge notiert und die Franchise nach der eigenen Reserve wählt, trifft eine Entscheidung, die zum eigenen Alltag passt. Mehr braucht es nicht, um im Herbst ruhiger zu entscheiden.
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