Checkliste vor der Unterschrift: Was Mietende vor dem Entscheid prüfen sollten
Warum eine Liste vor dem Entscheid hilft
In diesen Herbstwochen suchen viele eine neue Wohnung oder erhalten Post von der Verwaltung. Gerade dann fällt der Entscheid oft unter Zeitdruck: Die Besichtigung war kurz, die Konkurrenz gross, das Formular liegt schon bereit.
Ich habe in meiner Arbeit immer wieder gesehen, dass die teuersten Fehler nicht aus bösem Willen entstehen, sondern aus Hast. Eine Klausel wird überlesen, eine mündliche Zusage nicht festgehalten, ein Betrag nicht nachgerechnet. Wer vorher zwei Stunden investiert, spart sich später oft Monate an Ärger.
Erstens: Den Mietzins einordnen
Der erste Blick gehört dem Nettomietzins. Fragen Sie nach, wie hoch der Zins der Vormieterin oder des Vormieters war. In vielen Kantonen muss die Vermieterschaft diese Angabe auf einem amtlichen Formular mitteilen, und bei einer deutlichen Erhöhung beim Neuabschluss kann der Anfangsmietzins angefochten werden, allerdings nur innerhalb einer kurzen Frist nach der Übernahme.
Vergleichen Sie danach den verlangten Betrag mit ähnlichen Wohnungen im Quartier, auch wenn das nur ein grober Anhaltspunkt ist. Halten Sie fest, ob der Zins an den Referenzzinssatz gebunden ist oder gestaffelt steigt. Eine Staffelmiete mit festen Erhöhungen zu bestimmten Daten sieht harmlos aus, summiert sich aber über die Vertragsdauer und lässt sich schwer anpassen.
- Vormietzins erfragen und das Formular aufbewahren
- Staffelung und Indexierung im Vertrag suchen
- Frist für eine mögliche Anfechtung notieren
Zweitens: Nebenkosten genau lesen
Die Nebenkosten sind der Posten, bei dem Mieterinnen und Mieter am häufigsten im Dunkeln tappen. Klären Sie, ob sie als Akontozahlung mit jährlicher Abrechnung oder als Pauschale verlangt werden. Bei einer Pauschale gibt es keine Nachforderung, aber auch keine Rückzahlung, und sie muss zu den tatsächlichen Kosten passen.
Lassen Sie sich die Abrechnung des Vorjahres zeigen. Prüfen Sie, welche Positionen aufgeführt sind, wie Heizung und Warmwasser verteilt werden und ob Hauswartung oder Verwaltungsaufwand darin stecken, die dort nicht hingehören. Wer einmal eine unklare Abrechnung erhalten hat, weiss: Das Recht auf Einsicht in die Belege besteht, es muss aber aktiv genutzt werden.
- Akonto oder Pauschale: was gilt im Vertrag?
- Vorjahresabrechnung verlangen und durchrechnen
- Einsicht in die Belege schriftlich anfordern
Drittens: Klauseln und Beilagen prüfen
Lesen Sie den Vertrag ganz, auch das Kleingedruckte und die allgemeinen Bestimmungen. Achten Sie auf Kündigungstermine, die von den üblichen abweichen, auf Regeln zur Untermiete, zu Haustieren und zu Renovationen am Ende der Mietzeit. Klauseln, die Mietenden im Voraus sämtliche Instandstellungen auferlegen, gehen oft weiter, als das Gesetz erlaubt.
Prüfen Sie ausserdem die Beilagen: das Abnahmeprotokoll, die Hausordnung und die Höhe der Mietkaution. Die Kaution ist in der Regel auf drei Monatszinse begrenzt und gehört auf ein gesondertes Konto auf Ihren Namen. Fehlt eine dieser Unterlagen, bitten Sie schriftlich darum, bevor Sie unterschreiben.
- Kündigungstermin und Mindestdauer
- Untermiete, Haustiere, Renovationspflichten
- Kaution: Höhe und separates Konto
Viertens: Den Zustand der Wohnung festhalten
Bei der Übergabe wird entschieden, wer später für welche Mängel einsteht. Gehen Sie mit dem Protokoll durch jeden Raum, öffnen Sie Fenster, Wasserhähne und Schränke, und schreiben Sie auch kleine Schäden auf. Machen Sie Fotos mit Datum und schicken Sie dem Vermieter eine Kopie des Protokolls per Einschreiben, falls später Streit über den Zustand entsteht.
Wichtig ist, nichts vorschnell zu unterschreiben, was Sie nicht gesehen haben. Wenn der Hauswart in der Wohnung noch etwas reparieren soll, gehört die Zusage schriftlich ins Protokoll, mit Frist. Mündliche Versprechen sind im Nachhinein kaum zu beweisen und lösen sich beim nächsten Verwalterwechsel schnell in Luft auf.
- Jeden Raum einzeln durchgehen
- Fotos mit Datum aufbewahren
- Zugesagte Reparaturen mit Frist festhalten
Fünftens: Fristen, Unterlagen und Hilfe
Legen Sie sich einen Ordner an, digital oder aus Papier, mit Vertrag, Protokoll, Abrechnungen und jeder Korrespondenz. Notieren Sie Fristen sofort im Kalender: für die Anfechtung des Anfangszinses, für den Widerspruch gegen eine Erhöhung und für die Kündigung. Wer eine Frist verpasst, verliert oft ein Recht, das ihm eigentlich zustünde.
Und holen Sie Hilfe, bevor es eng wird. Mieterverbände und kantonale Schlichtungsbehörden beantworten Grundsatzfragen, meist günstig oder kostenlos. Wenn Sie lieber eine zweite Meinung zu Ihrem konkreten Vertrag möchten, finden Sie auf der Preisseite eine Vertragsdurchsicht, die ich als Autorin dieses Blogs anbiete. Entscheiden müssen am Ende immer Sie selbst.
Keine dieser fünf Prüfungen braucht Fachwissen, nur Zeit und Ruhe. Wer Zins, Nebenkosten, Klauseln, Übergabe und Fristen in dieser Reihenfolge durchgeht, weiss bei der Unterschrift, worauf er sich einlässt, und kann Unklarheiten benennen, solange noch verhandelt wird. Nehmen Sie sich diese Zeit, auch wenn der Druck gross ist. Ein Vertrag lässt sich in Ruhe lesen, ein unterschriebener kaum noch ändern.
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