Was die Krankenkasse wirklich kostet und was den Preis treibt
Die Prämie ist nur der sichtbare Teil
Wer im Herbst den Brief seiner Krankenkasse öffnet, schaut zuerst auf die neue Monatsprämie. Sie lässt sich leicht vergleichen und wirkt wie der ganze Preis. Tatsächlich ist sie nur der fixe Teil dessen, was ein Haushalt für die Grundversicherung aufbringt. Dazu kommen die Franchise, der Selbstbehalt von zehn Prozent auf die Kosten über der Franchise, der Beitrag an Spitalaufenthalten und alles, was die Grundversicherung nicht deckt.
Für eine erwachsene Person ist die Rechnung deshalb immer eine Summe aus drei Posten: den zwölf Monatsprämien, den Kosten, die sie im Jahr selbst trägt, und den Leistungen, die sie privat bezahlt. Wer nur den ersten Posten vergleicht, vergleicht rund die Hälfte. Ich rechne in diesem Beitrag deshalb mit Spannen und nicht mit einer einzigen Zahl, weil der Gesundheitszustand von Jahr zu Jahr stark schwankt.
- Prämie: fixer Betrag, unabhängig von der Nutzung
- Franchise: Betrag, den Sie zuerst selbst bezahlen
- Selbstbehalt: zehn Prozent über der Franchise, mit Obergrenze
- Spitalbeitrag pro Tag bei stationärem Aufenthalt
Was die Franchise im Alltag verschiebt
Die Wahl der Franchise ist der Hebel, den Versicherte am direktesten selbst bedienen. Eine hohe Franchise senkt die Prämie, verschiebt das Risiko aber auf den Haushalt: Wer im Jahr krank wird, zahlt bis zur gewählten Grenze alles aus eigener Tasche. Eine tiefe Franchise kostet mehr Prämie, schützt dafür vor grossen Einzelrechnungen.
Der Prämienrabatt der höchsten Franchise ist grösser als der Unterschied der Risiken bei vielen gesunden Personen, sonst würde sich das Modell nicht lohnen. Er lohnt sich aber nur, wenn ein Haushalt die Summe im Ernstfall auch auf der Seite hat. Ich sehe immer wieder Menschen, die wegen der Prämienersparnis die höchste Franchise wählen und dann auf einen Arztbesuch verzichten, weil das Geld knapp ist. Dann ist die Ersparnis keine, sondern ein aufgeschobenes Problem.
Wo die versteckten Kosten sitzen
Neben den bekannten Posten gibt es Beträge, die auf keiner Prämienübersicht stehen. Zahnbehandlungen sind in der Grundversicherung weitgehend nicht gedeckt, ebenso viele Brillen, Kuren oder Transporte über eine bestimmte Distanz hinaus. Auch Medikamente ausserhalb der Spezialitätenliste, rezeptfreie Präparate und der Selbstbehalt auf Generika und Originalen können sich im Jahr spürbar summieren.
Hinzu kommen Zusatzversicherungen, die oft im selben Brief angeboten werden. Sie sind freiwillig, aber ihre Prämien werden häufig im Alter höher und lassen sich schwer wieder abbauen. Wer sie abschliesst, sollte wissen, dass sich daraus eine langfristige Bindung ergibt. Eine Offerte ist kein Zwang, und mit der Antwort lässt sich in aller Ruhe warten, bis man die Bedingungen gelesen und mit der eigenen Situation verglichen hat.
- Zahnmedizin und Kieferorthopädie
- Brillen, Kontaktlinsen und Hilfsmittel
- Medikamente ausserhalb der Spezialitätenliste
- Zusatzversicherungen mit steigenden Prämien
Warum die Prämien Jahr für Jahr steigen
Die Prämien richten sich nach den Kosten, die die Krankenkassen im Kanton im Vorjahr für die Versicherten bezahlt haben. Steigen die Ausgaben für Spitäler, Ärzte, Medikamente und Pflege, schlägt sich das ein bis zwei Jahre später in der Prämie nieder. Das erklärt, warum die Kantone so unterschiedliche Preise haben, und warum Prämienregionen innerhalb eines Kantons auseinanderliegen können.
Treiber sind die älter werdende Bevölkerung, teurere Behandlungen und Geräte, die Zunahme von Leistungen insgesamt und der Umstand, dass die Menge an Behandlungen schneller wächst als die Löhne. Auch Reserven spielen eine Rolle: Haben Kassen zu wenig zurückgelegt, bauen sie diese über höhere Prämien wieder auf. Für die einzelne Familie ist das nicht beeinflussbar. Beeinflussbar ist nur, wie sie ihr eigenes Modell wählt.
Alternative Versicherungsmodelle und ihr Preis
Wer bereit ist, die Wahl der Ärztin einzuschränken, zahlt weniger. Hausarztmodelle, Telemedizin-Modelle und Netzwerke mit festen Partnern senken die Prämie, weil die Kasse die Patientenwege lenkt. Der Preis dafür ist Freiheit: Wer ohne Überweisung direkt zum Spezialisten geht, verliert den Rabatt oder muss die Kosten selbst tragen.
Ob sich das lohnt, hängt vom Alltag ab. Für Menschen mit einem festen Hausarzt in der Nähe ist das Modell oft bequem und günstig. Auf dem Land mit langen Wegen oder bei chronischen Krankheiten, die den Wechsel zwischen mehreren Fachleuten verlangen, kann es unpraktisch werden. Ich rate, die Bedingungen schriftlich zu lesen und vor dem Wechsel zu prüfen, ob die eigene Ärztin im Netz ist, nicht erst danach.
- Hausarztmodell: Erstbesuch beim festen Hausarzt
- Telemedizin: telefonische Beratung vor jedem Besuch
- Netzwerk-Modell: Auswahl aus einer Liste von Praxen
Wie Sie die eigene Gesamtrechnung aufstellen
Am Ende hilft eine einfache Tabelle. Tragen Sie die zwölf Monatsprämien ein, dazu die gewählte Franchise als Höchstbetrag und den Selbstbehalt bis zur Obergrenze. Das ergibt den schlechtesten Fall des Jahres. Daneben stellen Sie die Kosten des letzten Jahres, die Sie tatsächlich bezahlt haben. So sehen Sie, wie weit Ihr Alltag vom Maximum entfernt liegt.
Wiederholen Sie die Rechnung für zwei oder drei Franchisen. Der Unterschied zwischen Prämienersparnis und möglichem Mehrbetrag zeigt, was die Wahl wirklich kostet. Wer das Maximum nicht aufbringen könnte, wählt vorsichtiger. Die Fristen für einen Wechsel laufen im Herbst, deshalb lohnt es sich, in diesen Wochen zu rechnen, statt auf die nächste Prämienmitteilung zu warten.
Die Krankenkasse kostet mehr als die Prämie, und was sie kostet, hängt von Franchise, Modell und dem eigenen Gesundheitsjahr ab. Wer die Gesamtsumme rechnet statt nur den Monatsbetrag, entscheidet nüchterner und erlebt weniger Überraschungen. Die Prämienentwicklung selbst bleibt ausserhalb der eigenen Reichweite, die Wahl der Franchise und des Modells dagegen nicht. Genau dort lohnt sich in diesen Wochen die Zeit.
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